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Humboldt-Universität zu Berlin - Musikwissenschaft

Transkulturelle Musikwissenschaft und historische Anthropologie der Musik

 

Transkulturelle Musikwissenschaft

Das Forschungsgebiet Transkulturelle Musikwissenschaft widmet sich kulturellen Prozessen, die nicht mehr kulturmonographisch zu durchdringen sind, weil sie vielschichtige kulturelle Referenzen auf andere Kulturen sowie Hybridisierungs- und Spiegelungsphänomene umfassen. Damit rücken die Produktion und Rezeption von Musik in transkulturellen Handlungsfeldern ins Blickfeld. In den reflexiven Gesellschaften der Gegenwart handeln reflexive Akteure. Am Lehrstuhl wird untersucht, wie diese Akteure transkulturelle agency (Handlungsmacht) erlangen, welche Rolle die Musik dabei spielt und wie sich diese Vorgänge auf unser Verständnis von kultureller Kommunikation auswirken. Die Proliferation von Positionen und Perspektiven sowie von ineinander geschachtelten Handlungsräumen stellt hierbei eine grosse Herausforderung dar.

 

Diese Herausforderungen, die das neu entstehende Forschungsgebiet mit sich bringen, münden in die folgenden Fragen:

 

  • Wie lassen sich diese transkulturellen Handlungsmodi und ihre Effekte theoriegeleitet beschreiben?
  • Welche Prozesse sind repräsentativ?
  • Welche transkulturellen Analyse-Werkzeuge stehen zur Verfügung?
  • Wie können polyphone, multi-polare und multi-site-Phänomene erforscht werden?
  • Kann Musik Alternativen zu den etablierten transkulturellen Kanälen des Kapitals, der Information, der Waren aufweisen?
  • Kann die Erforschung von Audio-Praxen unser Verständnis von Transkulturalität generell bereichern oder grundlegend akzentuieren?
  • Inwieweit sind Musik und Klang selbst aktive Ressourcen transkultureller Wissens- und Erfahrungsbildung?

 

Historische Anthropologie der Musik

Die historische Anthropologie der Musik untersucht die sich wandelnden Entwürfe und Selbstkonzepte des Menschen, soweit sie in der Musik oder im musikalischen Diskurs greifbar werden. Da das Musizieren und die Musikwahrnehmung zentrale und universelle Merkmale der menschlichen Gattung sind, ist die Frage nach dem Menschen immer auch vor dem Hintergrund seiner musikalischen Daseinsformen gestellt worden. Aus demselben Grund sind ethische Normen und philosophische Rahmungen des Menschen, die Reflexion seiner Erkenntnisfähigkeit, seiner sinnesbezogenen Inventare und seiner Handlungsmög­lich­keiten auch immer in Bezug auf seine musikalische Artikulationsfähigkeit und Sensibilität diskutiert worden.

Die Hypothese lautet, dass Musik eine klangbezogene und identitätsstiftende Handlung ist (Max Peter Baumann), die anthropologische Grundzüge des Menschen ausformt. Da sich das Wesen des Menschen heute nicht mehr normativ, sondern nur supplementär und im Verhältnis zu historischen Entwürfen seines Wesens charakterisieren lässt, bietet die historische Perspektive einen geeigneten Ausgangspunkt. Sie kann durch die philosophisch akzentuierte Anthropologie, aber auch durch Konzepte in der Tradition der cultural anthropology angereichert werden, um besser zu verstehen, wie die Mensch über musikalische Praxen sein Menschsein weiter ausgestaltet und erweiternd reproduziert.